Monthly Archives: November 2013

Im Zug

Zug fahren in Amerika ist echt spannend. Die erste Zugfahrt war 19 Stunden lang und ich war im Dramaabteil. Drei Leute hatten sich gefunden und unterhielten sich lautstark. Und dann haben sie wohl auch in der Toilette geraucht. Jedenfalls kam die Zugbegleiterin und hat eine Behlerungsrede gehalten. Außerdem haben sie auch Alkohol getrunken, was gar nicht gern gesehen ist (“Haben Sie den Alkohol im Zug gekauft?”).
Während ich Abendessen war, wurden sie aus dem Zug geschmissen und die Polizei rückte an.
Im Restaurantabteil wird man von der Bedienung zufällig mit anderen Personen an einen Tisch gesetzt. So habe ich Kate und Clark getroffen. Er war in Vietnam und hat einen unerzogenen Hund, sie hat ein Kind aus Mexico adoptiert, das Politikwissenschaften studierte und jetzt als Barmann arbeitet. Sie daten seit einem Jahr.
Wir haben uns so gut verstanden, dass wir uns zum Frühstück wieder verabredet haben. Sie haben dann irgendwann noch Peter kennen gelernt, der irgendwas mit Öl in Mexico macht, laut Kate cool-hair wie der Ehemann von Nicole Kidman hat und Eisbären in Nordkanada gucken war. Und er war auch Deutscher, also mussten sie uns natürlich unbedingt bekannt machen.
Die Geschichten, die Peter erzählen konnte, waren echt spannend. Ich glaube allerdings er fand die Situation nicht weniger seltsam als ich, jedenfalls hat er uns nach dem Essen verlassen.
Nach drei wundervollen Tagen in Havre bin ich jetzt wieder im Zug. In Montana und North Dacota gibt es ganz viel nichts (oder Prärie). Man sagte mir, ich soll lieber nicht in Northern Dacota halten, weil da großer Ölboom ist und es dort gerade keine gute Gegend ist. Also fahr ich durch nach Chicago. Ich hab nicht viel von North Dakota gesehen, weil wir nachts dort durch fuhren. Aber manchmal roch es nach verbranntem Gummi und ich habe Feuer brennen sehen. In manchen Gegenden, wenn es ein bisschen Licht gab, bekam ich eine kleine Ahnung davon, wie sich Leute früher fühlen mussten, als Züge noch überfallen wurden oder ich versuchte zumindest mir das vorzustellen..
Eigentlich sollte die Fahrt nur 22 Stunden dauern. Jetzt haben wir aber schon 5 Stunden Verspätung. Beim Abendessen hab ich niemand Interessanten getroffen mit dem ich mich gut unterhalten konnte, aber beim Frühstück traf ich Mack. Er hat mit seiner Familie fünf Jahre in Frankreich gelebt. Jetzt reist er durch die Gegend arbeitet hier und da und besucht Freunde. Er hat mir erzählt wie er jagen geht, die Tiere schlachtet und bei einer Apocalypse zusammen mit seinen Brüdern gute Überlebenschancen hätte.  Und er meinte, dass ich mir unbedingt Pfefferspray oder nen Teaser (besser noch eine Teasergun) besorgen soll. Er schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, macht Filme und ist Schauspieler. Kurz beschlich mich das Gefühl, dass ich hier schon wieder jemanden auf den Leim gehe^^ aber er meinte er schickt mir was zum Lesen. Ich war froh jemanden zum quatschen zu haben und er war super nett. Wir haben uns drei Stunden oder so im Loungeabteil unterhalten. Man verliert hier so leicht das Zeitgefühl, ich weiß nicht was für ein Tag ist, in welcher Zeitzone ich bin oder wie spät es ist und ich hab nur eine Ahnung wie lange ich bereits in diesem Zug bin. Und irgendwie ist es auch gar nicht wichtig, ich komm einfach irgendwann an.
Insgesamt bin ich ungefähr zwei Tage im Zug nach Osten gefahren. Ich frage mich wo ich jetzt wäre, wenn ich in Berlin gestartet wäre.

image

image

image

image

image

image

image

image

Seattle again

So: Die große Kanada Tour ist beendet und Binco und Thomas machen zu Hause schon Diashow.
Für mich geht es jetzt alleine weiter.
Gestern war ja Feiertag hier und schon stand ich vor dem Problem einen offenen Telefonladen zu finden. Aber Hilfe war nah und es führte mich ein angeblicher Kunststudent, der nach eigenen Angaben für Amtrak nonprofit voluntiert, zu einem offenen Telefonladen. Der Typ war echt gut, ich hätte ihm seine Geschichte fast geglaubt. Allerdings hat die Anzahl der Leute, die er grüßen musste auf den Weg nach Chinatown zugenommen. In Vancouver-Chinatown hatten wir ja erst vorgestern Nacht eine Grenzerfahrung:
Abgewetzter Hotelteppich verziert mit vermutlich (hoffentlich) Zigarettenbrandspuren, kleine Tierchen, die den Schrank unter dem Waschbecken hoch krochen, Menschen auf was weiß ich für Drogen, die die Strasse langtorkeln und -schreien. Meine Begeisterung jetzt wieder ein Chinatown kurz vor Dunkelheit zu betreten hielt sich in Grenzen und kurz hatte ich den Gedanken, das mich mein freundlicher Stadtführer in eine dunkle Gasse führt, wo seine Freunde schon warten um mich auszurauben.
Aber keine Sorge, vor dem Laden hat er mich noch um eine Spende angebettelt und ist dann verschwunden. Drinnen hab ich wahrscheinlich den schlechtesten Provider Amerikas gekauft, um meinen CouchsurfingKontakt kontaktieren zu können :/
Bethy ist super nett und ihre Couch ist ein richtiges Bett in einem separaten Raum. Sie hat mir ihre Reisegeschichten über Afrika und England erzählt: sehr interessant.
Jetzt ist Dienstag 13 Uhr und mein Zug geht in 3,5 Stunden. Morgen (nach 19 Stunden Zugfahrt) treffe ich dann Tante und Onkel meiner Portlandwgmitbewohnerin. Ich Doofie dachte ja, dass die Fahrt nur 4 Stunden dauert, aber das war eine Alternativroute über Portland. Das war bestimmt mein böses Unterbewusstsein, das mich zurück in dieser wundervolle Stadt haben will.
Kurz bevor ich in dieses Café hier einkehrte, hat mir noch ein Typ beim Vorbeigehen erklärt, dass ich meine Schuhe nicht tragen darf. Ich hab dann nachgefragt was er meint: weil ich ein weißes Mädchen bin und solche Schuhe gerne schwarze Rapper und Gangster anziehen würden. Wir hatten dann noch ein nettes Gespräch für die nächsten zwei Blocks. Ich bin jetzt seine Sister und wir haben uns zwei mal mit Ghettofaustmove voneinander verabschiedet XD

Ganz viele Wasserfälle

Nach einer kurzen Diskussion haben wir beschlossen die Nacht in Clearwater zu verbringen und am nächsten Tag einen Abstecher Richtung Norden zu machen.
Dort gibt es nämlich viele Wasserfälle und das Winterwonderland war richtig schön für uns Spielkinder, die gegen Bäume traten um Schneelawinen auf die anderen regnen zu lassen. Während ich versuchte ein Makrofoto von Schneekristallen an Baumnadeln zu machen hatte Binco noch voll erwischt >:(
Der Weg zum letzten Wasserfall war nicht in der Karte eingezeichnet, aber Wikipedia sagt, dass man sich hinter den Wasserfall stellen kann, also haben wir uns nach einer 20minütigen IchHabHunger-EsWirdBaldDunkel-AberDerIsBestimmtToll-Diskussion auf den Weg gemacht. Die drei Kilometer durch den Wald mit 20cm Schnee waren recht beschwerlich und der Rückweg war echt gruselig, weil die Sonne bereits weg war als wir vom Wasserfall aufbrachen und wir es gerade so auf den Hauptweg geschafft haben, bevor es richtig dunkel war. Aber es hat sich gelohnt!

image

image

image

image

image

image

image

image

image

IMG_0303_

image

image

image

image

image

20131106_145543_

image

image

image

image

image

IMG_0388_

IMG_0393_

IMG_0404_

IMG_0408_

IMG_0436_

IMG_0442_

image

image

image

image

image

image

IMG_0480_